Verteilen Märkte Ressourcen effizient?
Von einer Gesundheitsversorgung für 4 Billionen Dollar bis zur Klimakatastrophe: wenn die unsichtbare Hand patzt
Als Debattengraph anzeigenDer erste Wohlfahrtssatz
„Die Vereinigten Staaten geben für Gesundheit etwa doppelt so viel aus wie das durchschnittliche wohlhabende Land, haben aber die niedrigste Lebenserwartung und die höchste Rate vermeidbarer Todesfälle.“
— sinngemäß nach The Commonwealth Fund, U.S. Health Care from a Global Perspective, 2023
Die Amerikaner geben jährlich über 4 Billionen Dollar für die Gesundheitsversorgung aus (12.500 Dollar pro Kopf) und liegen bei Lebenserwartung, Säuglingssterblichkeit und vermeidbaren Todesfällen dennoch auf dem letzten Platz unter den wohlhabenden Nationen. Wenn Märkte effizient verteilen, wie erklären Sie das?
Hinter dieser Anklage über 4 Billionen Dollar steht der Maßstab, mit dem Ökonomen behaupten, Märkte sollten funktionieren. Dieser Maßstab ist die Gesamtrente.
Konsumentenrente und Produzentenrente. Kaufen Sie einen Kaffee für 4 Dollar, hätten aber 6 Dollar gezahlt, dann vereinnahmen Sie 2 Dollar an Wert, die Konsumentenrente (CS). Verkauft ihn das Café für 4 Dollar, hätte ihn aber schon für 2,50 Dollar gewinnbringend verkaufen können, verdient es 1,50 Dollar an Produzentenrente (PS). Addieren Sie das über jede Transaktion eines Marktes:
Bei der Wettbewerbsgleichgewichtsmenge $Q^*$ hat jede produzierte Einheit einen Käufer, der sie höher bewertet, als ihre Herstellung kostet. Die Gesamtrente ist maximal. Das ist allokative Effizienz. Das Preissystem koordiniert Millionen von Entscheidungen zu einer Aufteilung, die kein Planer verbessern könnte.
Beim richtigen Preis kommt jeder Tausch zustande, der zustande kommen sollte. Jeder Käufer, der das Gut höher bewertet als seine Herstellungskosten, bekommt eines. Es bleibt kein Wert liegen. Das ist die ökonomische Definition von Effizienz.
Wohlfahrtsverlust. Alles, was den Markt von $Q^*$ wegdrückt, zerstört Wert. Eine Steuer, eine Preisobergrenze oder ein Monopolist, der die Menge beschränkt, senken die gehandelte Menge unter das effiziente Niveau. Die verlorene Rente heißt Wohlfahrtsverlust (DWL). Ein Transfer verschiebt Rente von einer Partei zur anderen, der Wohlfahrtsverlust verschwindet einfach.
Warum das für die Gesundheitsversorgung zählt. Der Rahmen der Renten spricht den Märkten eine kräftige Empfehlung als Standard aus. Sich selbst überlassen, maximieren Wettbewerbsmärkte den Gesamtwert. Doch diese Empfehlung ist an Bedingungen geknüpft. Die Angebotskurve muss alle Produktionskosten abbilden. Die Nachfragekurve muss alle Konsumnutzen abbilden. Es dürfen keine Kosten Dritten aufgebürdet werden, kein Nutzen an Nichtkäufer überschwappen, kein Verkäufer den Markt beherrschen, und es darf keine Information geben, die die eine Seite hat und die andere nicht.
Die Gesundheitsversorgung verletzt jede einzelne dieser Annahmen. Kenneth Arrow zeigte 1963, dass sich der Markt für Gesundheitsleistungen von Gütermärkten unterscheidet. Patienten können die Qualität der Behandlung, die sie kaufen, nicht beurteilen, die Versicherung erzeugt Moral Hazard, und die Folgen schlechter Käufe sind unumkehrbar. Das Paradox der 4 Billionen Dollar ist ein Markt, der unter Bedingungen arbeitet, für die das Effizienztheorem nie galt.
Drei Begriffe, die vorab festzulegen sind. Sie kehren im Rest dieser Großen Frage wieder. Informationsasymmetrie: Eine Seite der Transaktion weiß wesentlich mehr als die andere. Der Arzt weiß, welche Behandlung nötig ist, der Patient nicht. Moral Hazard (moralisches Risiko): Sobald eine Versicherung die Kosten trägt, verlangt der versicherte Patient mehr Behandlung und der versicherte Anbieter hat schwächere Gründe, sie zu begrenzen, das Versichern selbst verändert also das Verhalten. Adverse Selektion: Können die Käufer sich selbst aussuchen, steigen die Gesunden aus den Versicherungspools aus und die Kranken bleiben darin, was die Prämien so lange treibt, bis der Pool zusammenbricht, sofern der Versicherungsschutz nicht vorgeschrieben ist. Das sind bestimmte strukturelle Bedingungen, unter denen der Wohlfahrtssatz nicht mehr gilt.
„Sollte die Gesundheitsversorgung ein Markt sein?“
Die USA betreiben das größte Experiment mit marktbasierter Gesundheitsversorgung auf der Erde. Herausgekommen ist das teuerste System der entwickelten Welt, mit Ergebnissen, die nach fast jedem Maßstab hinter denen der Einheitsversicherungssysteme zurückbleiben. Arrow hat das vor sechzig Jahren kommen sehen.
Der Effizienzmaßstab
„Praktisch alle Besonderheiten dieser Branche rühren daher, dass Unsicherheit über das Auftreten von Krankheit und über die Wirksamkeit der Behandlung vorherrscht... Die Unsicherheit über den Gegenstand der Transaktion auf dem Markt für medizinische Versorgung macht ihn grundlegend anders als die übliche Ware der Lehrbücher der Ökonomik.“
— sinngemäß nach Kenneth Arrow, American Economic Review, 1963
Arrows Aufsatz begründete das Feld der Gesundheitsökonomik. Die Bedingungen, die Märkte effizient machen (gute Information, vorhersehbare Nachfrage, viele Wettbewerber), versagen in der Gesundheitsversorgung systematisch. Patienten können die Behandlungsqualität nicht beurteilen. Die Nachfrage ist unvorhersehbar und katastrophal. Und der Verkäufer, der Arzt, berät den Käufer darüber, was er kaufen soll. Diese Informationsasymmetrie steckt in der Leistung selbst. Sechs Jahrzehnte später hat niemand das Kernargument widerlegt.
„Wären Markttransaktionen kostenlos, so käme es natürlich (von Gerechtigkeitsfragen abgesehen) nur darauf an, dass die Rechte der verschiedenen Parteien klar definiert und die Ergebnisse von Gerichtsverfahren leicht vorherzusagen sind.“
— Ronald Coase, Journal of Law and Economics, 1960
Das Coase-Theorem bietet die freimarktliche Antwort auf jedes Marktversagen. Sind die Eigentumsrechte klar definiert und die Transaktionskosten niedrig, erreicht das private Verhandeln das effiziente Ergebnis ohne staatlichen Eingriff. In der Gesundheitsversorgung sind die Transaktionskosten enorm. Patienten können während eines Herzinfarkts keine Preise vergleichen, die Information ist hoffnungslos asymmetrisch, und das „Produkt“ lässt sich nicht zurückgeben. Coase selbst behandelte Transaktionskosten von null als theoretisches Hilfsmittel. Der Beitrag des Theorems ist diagnostisch, es weist einen an, die Transaktionskosten anzusehen, bevor man entscheidet, ob Märkte oder Regulierung besser abschneiden.
Wo uns das hinführt
Der Rahmen der Renten sagt, Wettbewerbsmärkte maximierten den Gesamtwert. Doch die Bedingungen sind anspruchsvoll: alle Kosten in der Angebotskurve, alle Nutzen in der Nachfragekurve, gute Information auf beiden Seiten, viele konkurrierende Anbieter. Die Gesundheitsversorgung versagt bei jedem Punkt. Das Paradox der 4 Billionen Dollar ist das, was geschieht, wenn man die Marktlogik auf einen Bereich anwendet, in dem die Effizienzbedingungen nicht gelten. Der Rentenmaßstab ist das richtige Werkzeug für den Anfang. Doch wie viele Märkte erfüllen die Bedingungen tatsächlich?
Die Gesundheitsversorgung ist ein Markt unter vielen. Doch was, wenn es beim größten Marktversagen überhaupt nicht um eine Branche geht? Was, wenn es um den ganzen Planeten geht?
Das Haus brennt
„Unser Haus brennt.“ Die Klimakrise ist die Externalität schlechthin, ein Marktversagen so groß, dass es die Zivilisation bedroht. Jede ausgestoßene Tonne CO2 bürdet Menschen Kosten auf, die der Transaktion nie zugestimmt haben, in Ländern, die den Brennstoff nie verbrannt haben, in Generationen, die noch nicht geboren sind.
Thunbergs Zorn ist emotional gewaltig. Doch die Ökonomik dahinter ist ebenso vernichtend. Der Klimawandel ist das älteste Marktversagen im Lehrbuch, hochskaliert auf planetare Maße. Der Begriff dafür ist die Externalität.
Externalitäten: wenn Preise lügen. Eine Externalität liegt vor, wenn eine Transaktion Dritten, die nicht am Geschäft beteiligt sind, Kosten oder Nutzen aufbürdet. Ein Stahlwerk, das Schwefeldioxid ausstößt, bürdet den Anwohnern Gesundheitskosten auf, eine negative Externalität. Die privaten Produktionskosten des Werks sind geringer als die gesellschaftlichen Kosten (private Kosten plus Gesundheitsschäden). Weil das Werk den Schaden ignoriert, produziert es mehr als gesellschaftlich optimal.
Formal übersteigen die gesellschaftlichen Grenzkosten die privaten Grenzkosten: $MSC > MPC$. Der Markt produziert zu viel. Die effiziente Menge liegt dort, wo $MSC = \text{Grenznutzen}$ gilt, der Markt produziert aber dort, wo $MPC = \text{Grenznutzen}$ gilt. Die Differenz ist der Wohlfahrtsverlust, echter Wert, den Transaktionen zerstören, die nicht hätten stattfinden sollen.
Jedes Mal, wenn eine Fabrik verschmutzt, erhält sie eine Subvention, die sie nie beantragt hat: das Recht, ihre Kosten kostenlos bei anderen abzuladen. Der Preis ihres Produkts ist zu niedrig, weil er den Schaden nicht enthält. Also kaufen die Verbraucher zu viel davon. Der Markt „funktioniert“ für Käufer und Verkäufer und versagt für alle anderen.
Warum das Klima die Externalität schlechthin ist. William Nordhaus, der 2018 den Nobelpreis dafür erhielt, den Klimawandel in die ökonomische Analyse einzubauen, nennt sie „die wichtigste Externalität in der Geschichte der Menschheit“. Die sozialen Kosten des Kohlenstoffs (der Gesamtschaden, den eine zusätzliche Tonne CO2 anrichtet) werden je nach Diskontsatz auf 50 bis 200 Dollar je Tonne geschätzt. Die weltweiten Emissionen liegen bei rund 37 Milliarden Tonnen im Jahr. Das sind 1,8 bis 7,4 Billionen Dollar an jährlichen Schäden, die in keinem Preis auftauchen. Der Markt für fossile Brennstoffe ist nur dann „effizient“, wenn man ignoriert, dass sich der Planet erwärmt.
Die Standardlösungen. Arthur Cecil Pigou schlug die Lösung vor einem Jahrhundert vor, eine Steuer in Höhe des Grenzschadens. Eine CO₂-Steuer von 50 Dollar je Tonne zwingt die Emittenten, die sozialen Kosten zu internalisieren. Systeme des Emissionshandels schaffen einen Markt für die Externalität selbst und lassen den Preis aus dem Handel unter den Emittenten entstehen. Beides funktioniert in der Theorie. In der Praxis hat der Emissionshandel der EU die europäischen Emissionen seit 2005 um rund 35 % gesenkt.
Weitere Kategorien, öffentliche Güter, Allmendegüter und Informationsasymmetrie, stehen im Standardkatalog des Marktversagens neben den Externalitäten und werden in Kapitel 4 behandelt. Hier bleiben die Externalitäten und der Klimafall im Mittelpunkt.
„Das Problem des Klimawandels ist, dass die Kosten Menschen aufgebürdet werden, die an der Entscheidung nicht beteiligt sind. Die Lösung besteht darin, die Externalität zu korrigieren, indem man dem Kohlenstoff einen Preis gibt, und dann die Märkte tun zu lassen, was Märkte am besten können.“
— sinngemäß nach William Nordhaus, Nobelvorlesung, 2018
„Ist eine CO₂-Steuer die beste Klimapolitik?“
Die Ökonomen sagen seit dreißig Jahren „gebt dem Kohlenstoff einen Preis“. Pigou hat das Instrument vor einem Jahrhundert entworfen. Nordhaus hat für die Mathematik den Nobelpreis bekommen. Warum also haben wir immer noch keinen weltweiten CO₂-Preis, und sind die Alternativen tatsächlich schlechter?
Das größte Marktversagen
„Der Klimawandel stellt die Ökonomik vor eine einzigartige Herausforderung: Er ist das größte und weitreichendste Marktversagen, das je zu sehen war.“
— Nicholas Stern, Stern Review on the Economics of Climate Change, 2006
Pigou hat den Mechanismus benannt. Stern hat beziffert, worum es geht. Sein Bericht von 2006 schätzte, dass ein ungebremster Klimawandel das weltweite BIP dauerhaft um 5 bis 20 % senken würde, ein Wohlfahrtsverlust, gegen den jeder Markteingriff der Geschichte klein aussieht. Der umstrittenste Zug des Berichts war ein Diskontsatz nahe null, womit die Wohlfahrt künftiger Generationen fast so viel zählt wie unsere. Nordhaus widersprach beim Diskontsatz (er verwendete marktnahe 3 bis 5 %), stimmte der Diagnose aber zu. Die Externalität ist real, sie ist enorm, und sie verlangt eine Preiskorrektur. Die Linie Pigou, Stern und Nordhaus ist der Konsens des Fachs. Der Klimawandel ist ein Marktversagen, und die Abhilfe besteht darin, Kohlenstoff teuer zu machen.
„Das Problem der sozialen Kosten ist letztlich ein Problem der Transaktionskosten. Wäre das Verhandeln kostenlos, dann hätte die Zuweisung der Rechte keinen Einfluss auf die Effizienz der Ressourcenallokation.“
— sinngemäß nach Ronald Coase, Journal of Law and Economics, 1960
Coases Rahmen fragt: Könnte privates Verhandeln die Externalität ohne staatlichen Eingriff lösen? Beim Klima lautet die Antwort nein. An der „Transaktion“ sind 8 Milliarden Menschen in 195 Ländern beteiligt, dazu künftige Generationen, die überhaupt nicht verhandeln können. Für die am stärksten Betroffenen sind die Transaktionskosten unendlich. Ein pigouscher Eingriff ist hier unvermeidlich. Selbst Coase würde zustimmen, dass die Wahl bei astronomischen Transaktionskosten zwischen Regulierung und unbepreistem Schaden steht.
Wo uns das hinführt
Der Katalog des Marktversagens (Externalitäten, öffentliche Güter, Allmendegüter, Informationsasymmetrie) beschreibt die meisten Märkte, die für die menschliche Wohlfahrt zählen: Gesundheit, Bildung, Finanzen, Energie, Umwelt. Der Klimawandel ist die größte Externalität der Menschheitsgeschichte, doch er arbeitet nach demselben Mechanismus wie eine Fabrik, die einen Fluss verschmutzt. Der Preis bildet die Kosten nicht ab, der Markt produziert zu viel, und Rente wird zerstört. Woher wissen wir also genau, wann Markteffizienz gilt? Ein Nobelpreisträger hat eine schroffe Antwort.
Wir haben Versagensfälle katalogisiert. Bisher lief das Argument aber Fall für Fall, hier die Gesundheitsversorgung, dort das Klima. Gibt es ein allgemeines Theorem darüber, wann Märkte funktionieren und wann nicht? Es gibt eines.
Die Wohlfahrtssätze
„Wann immer es Externalitäten oder unvollkommene Information gibt, also im Grunde immer, sind Märkte nicht effizient.“
— Joseph Stiglitz, Whither Socialism?, 1994
Das Urteil eines Nobelpreisträgers: Die Bedingungen für Markteffizienz gelten im Grunde nie. Stiglitz hat es mathematisch bewiesen. In jeder Wirtschaft mit unvollständigen Märkten oder unvollkommener Information sind Wettbewerbsgleichgewichte generisch beschränkt ineffizient. Beweisbar ineffizient, selbst nach einem großzügigen Maßstab.
Stiglitz’ Provokation klingt nach Ideologie. Sie formuliert den Schluss von Theoremen, die genau angeben, wann Märkte effizient sind und was bricht, wenn die Bedingungen versagen.
Der erste Wohlfahrtssatz. Existiert ein Wettbewerbsgleichgewicht und sind die Präferenzen lokal nichtgesättigt (die Konsumenten wollen von irgendetwas immer ein wenig mehr), dann ist das Gleichgewicht Pareto-optimal: Niemand kann bessergestellt werden, ohne jemand anderen schlechterzustellen.
Der Beweis läuft über den Widerspruch. Angenommen, es gäbe eine Pareto-Verbesserung, eine andere Aufteilung $x'$, bei der jemand bessergestellt ist und niemand schlechter. Bei lokaler Nichtsättigung gilt: Zieht der Konsument $i$ das Bündel $x'_i$ der Gleichgewichtsaufteilung $x^*_i$ vor, dann muss $x'_i$ zu Gleichgewichtspreisen mehr kosten als $x^*_i$ (sonst hätte $i$ es gewählt). Summiert man über alle Konsumenten, kostet die verbessernde Aufteilung mehr als das Gesamteinkommen. Doch das Gesamteinkommen entspricht dem Wert der Gesamtausstattung, und die Gesamtnachfrage kann das Gesamtangebot nicht übersteigen. Widerspruch.
Der erste Wohlfahrtssatz sagt: Wenn die Märkte im Wettbewerb stehen, wenn es für alles einen Markt gibt und wenn es keine Externalitäten gibt, dann ist das Ergebnis so gut, wie es nur geht. Man kann die Güter nicht so umverteilen, dass man jemandem hilft, ohne jemandem zu schaden.
Die Bedingungen. Vollständige Märkte (ein Markt für jedes Gut, jeden Zustand der Welt, jeden Zeitpunkt). Preisnehmerverhalten (keine Marktmacht). Keine Externalitäten. Das schließt die Informationsasymmetrie der Gesundheitsversorgung aus, die Klimaexternalität, Monopole und fehlende Versicherungsmärkte. Jeder Punkt aus dem Versagenskatalog von Schritt 2 lässt sich auf die Verletzung einer dieser Bedingungen zurückführen.
Der zweite Wohlfahrtssatz. Jede Pareto-optimale Aufteilung lässt sich als Wettbewerbsgleichgewicht erreichen, sofern man mit der richtigen Vermögensverteilung startet und Pauschaltransfers einsetzt. Das klingt mächtig. Märkte können jedes effiziente Ergebnis erreichen, auch gerechte. Doch Pauschaltransfers (Steuern, die das Verhalten nicht verzerren) sind eine theoretische Fiktion. Jedes reale Umverteilungsinstrument (Einkommensteuern, Vermögenssteuern, einkommensgeprüfte Leistungen) erzeugt Verzerrungen. Der Satz sagt, man könne Effizienz und Gerechtigkeit über Märkte haben, aber nur mit einem Instrument, das es nicht gibt.
Das Greenwald-Stiglitz-Theorem (1986). Sind die Märkte unvollständig (lassen sich manche Risiken nicht handeln oder haben manche Güter keinen Markt), dann sind Wettbewerbsgleichgewichte generisch beschränkt ineffizient. „Beschränkt ineffizient“ heißt, dass es selbst unter Berücksichtigung der informationellen Grenzen, die die Märkte unvollständig halten, staatliche Eingriffe gibt, die alle besserstellen.
Da Märkte immer unvollständig sind (gegen die meisten Risiken, auf die es ankommt, lässt sich keine Versicherung kaufen: Arbeitsplatzverlust, Verfall des eigenen Viertels, die Gesundheit des eigenen Kindes), sind Wettbewerbsgleichgewichte fast immer durch gut entworfene Eingriffe verbesserbar. Stiglitz’ „im Grunde immer“ ist das Theorem, das spricht.
„Die Laissez-faire-Lösung für die Medizin ist untragbar. Schon das Wort ‚Patient‘ deutet auf Abhängigkeit, Verwundbarkeit und Informationsasymmetrie hin, also auf das Gegenteil der Bedingungen, unter denen Wettbewerbsmärkte gute Ergebnisse hervorbringen.“
— sinngemäß nach Kenneth Arrow, „Uncertainty and the Welfare Economics of Medical Care“, American Economic Review, 1963
„Sollte die Gesundheitsversorgung ein Markt sein?“ (noch einmal)
In Schritt 1 haben wir die Gesundheitsversorgung als einen kaputten Markt gesehen. Nun erklären die Wohlfahrtssätze, warum er kaputt ist und warum Deregulierung allein ihn nie reparieren kann. Arrows Diagnose von 1963 deckt sich genau mit den Bedingungen, die der erste Wohlfahrtssatz verlangt und die die Gesundheitsversorgung verletzt.
Sind die Wohlfahrtssätze eine Bestätigung oder eine Anklage der Märkte?
„Wann immer es ‚Externalitäten‘ gibt, wenn also die Handlungen eines Einzelnen Wirkungen auf andere haben, für die er weder zahlt noch bezahlt wird, ist das Marktgleichgewicht nicht effizient. Greenwald und Stiglitz (1986) haben gezeigt, dass Wettbewerbsgleichgewichte, wann immer Märkte unvollständig oder Informationen unvollkommen sind, also im Grunde immer, im beschränkten Sinne Pareto-ineffizient sind.“
— Joseph Stiglitz, Whither Socialism?, 1994
Stiglitz’ Behauptung klingt extrem, ist aber das, was das Theorem beweist. Die Bedingungen des ersten Wohlfahrtssatzes (vollständige Märkte, vollkommene Information, keine Externalitäten) gelten in keiner realen Wirtschaft gleichzeitig. Greenwald und Stiglitz zeigten, dass es immer dann, wenn sie versagen, Steuer-Subventions-Maßnahmen gibt, die alle besserstellen, und zwar unter denselben informationellen Beschränkungen. Das Ergebnis kehrte die Beweislast um, Märkte sind ineffizient, solange man nicht zeigt, dass die bestimmten Bedingungen gelten. Stiglitz ist ein Knoten in einer längeren Denklinie, Akerlof über die „Zitronen“ (Gebrauchtwagen schlechter Qualität), Spence über das Signalisieren, Mirrlees über verborgene Information, die aus der unvollkommenen Information eine Fußnote zu einem Forschungsprogramm machte. Diese Denklinie wird in Ideengeschichte, Kap. 11: Die Informationsökonomik und die spieltheoretische Revolution verfolgt.
„Die bedeutsamste Tatsache an diesem System ist die Sparsamkeit im Wissen, mit der es arbeitet, oder wie wenig die einzelnen Teilnehmer wissen müssen, um richtig handeln zu können. ... Wir müssen das Preissystem als einen solchen Mechanismus zur Übermittlung von Information betrachten, wenn wir seine eigentliche Funktion verstehen wollen.“
— Friedrich Hayek, „The Use of Knowledge in Society“, American Economic Review, 1945
Hayeks Aufsatz von 1945 antwortet auf dem eigenen Terrain von Greenwald und Stiglitz, der Information. Das wirtschaftliche Problem der Gesellschaft, so Hayek, besteht nicht darin, „gegebene“ Ressourcen zu verteilen, sondern darin, Wissen zu nutzen, das nie in gebündelter Form vorliegt, das Wissen um die besonderen Umstände von Zeit und Ort, verstreut über Millionen von Köpfen und unmöglich zu zentralisieren. Preise sind aus dieser Sicht die gesellschaftliche Institution, die dieses verstreute Wissen zu einem Signal bündelt, nach dem jeder Teilnehmer handeln kann, ohne verstehen zu müssen, warum. Ein Planer, der auf ein Theorem nach Stiglitz’ Art blickt, sieht einen Existenzbeweis für einen wohlfahrtssteigernden Eingriff, ein Planer innerhalb von Hayeks Rahmen sieht das Problem, über das der Existenzbeweis hinweggeht: Wer weiß genug, um den Eingriff zu entwerfen und zu führen? Hayeks Erben in der österreichischen Tradition (siehe Ideengeschichte, Kap. 6: Die österreichische Tradition) treiben den Punkt weiter: Wenn die vergleichende Institutionenanalyse gegenüber dem Marktversagen und dem Wissensversagen auf der Seite des Staates gleichermaßen ehrlich ist, schneidet das Argument über die Beweislast in beide Richtungen. Eine zweite Tradition schärft dieselbe Sorge von der politischen Seite. Die Public-Choice-Schule, Buchanan, Tullock, Olson, modelliert den Planer als interessengeleiteten Akteur in einem System aus Wählern, Beamten und Lobbys, in dem genau der Eingriff, den das Theorem erlaubt, zur Beute für die bestorganisierte Gruppe wird. Das Argument des Staatsversagens gegen den Existenzbeweis wird in Ideengeschichte, Kap. 14: Die Public-Choice-Tradition verfolgt.
Wo uns das hinführt
Die Wohlfahrtssätze geben genau an, wann und warum Märkte versagen. Der erste Wohlfahrtssatz ist eine bedingte Aussage mit Bedingungen, die in der Gesundheitsversorgung, der Bildung, den Finanzen, den Arbeitsmärkten und der Umwelt versagen. Greenwald-Stiglitz schließt die Hintertür. Bei unvollständigen Märkten und unvollkommener Information (also immer) sind Wettbewerbsgleichgewichte beweisbar ineffizient. Das Theorem verschiebt die Frage von „funktionieren Märkte?“ zu „welcher institutionelle Entwurf funktioniert in dieser bestimmten Lage am besten?“ Und für manche Lagen lautet die Antwort radikal: Flicken Sie den Markt nicht. Entwerfen Sie etwas Neues.
Die Wohlfahrtssätze diagnostizieren die Krankheit. Kann die Ökonomik auch die Heilung verschreiben? Was, wenn wir, statt gescheiterte Märkte zu regulieren, Institutionen von Grund auf konstruieren könnten, die besser funktionieren?
Marktdesign in der Praxis
„Das Marktdesign ist ein so junges Feld, dass viele seiner Einsichten sich ihren Weg in die allgemeine Anerkennung und Anwendung noch erkämpfen müssen... Die Ökonomen haben begonnen, die Märkte, die wir beobachten, als Erzeugnisse bewusster Gestaltung zu verstehen, auch wenn die Gestalter oft bloß darum rangen, die Märkte zu begreifen, die sie besser zum Laufen bringen wollten.“
— sinngemäß nach Alvin Roth, Who Gets What, and Why, 2015
Wenn Märkte versagen, können Ökonomen bessere konstruieren? Die Antwort lautet ja. Der Nierentausch rettet Tausende Leben in einem Bereich, in dem der Verkauf verboten und die Warteliste ineffizient ist. Frequenzauktionen haben Funkfrequenzen im Wert von Hunderten Milliarden Dollar zugeteilt. Algorithmen der Schulwahl ordnen Millionen Schüler den Schulen zu. Das alles ist ausgerollte Infrastruktur.
Alvin Roth nennt es „Ökonomen als Ingenieure“. Das Feld heißt Mechanismusdesign. Statt zu fragen „funktioniert dieser Markt?“, fragt das Mechanismusdesign „können wir Regeln entwerfen, die auch dann effiziente Ergebnisse hervorbringen, wenn die Standardbedingungen versagen?“
Der Ausgangspunkt ist eine mächtige Vereinfachung, das Offenbarungsprinzip. Jedes Ergebnis, das sich mit irgendeinem Mechanismus erreichen lässt, lässt sich auch mit einem wahrheitsgemäßen direkten Mechanismus erreichen, bei dem die Teilnehmer schlicht ihre private Information melden und der Mechanismus das Ergebnis berechnet. Statt alle möglichen Institutionen zu durchsuchen, muss man nur die wahrheitsgemäßen durchsuchen.
Der Vorzeigeentwurf ist der Vickrey-Clarke-Groves-Mechanismus (VCG). Jeder Teilnehmer meldet seine Wertschätzung. Der Mechanismus teilt das Gut demjenigen zu, der es am höchsten bewertet. Jeder Teilnehmer zahlt eine Abgabe in Höhe der Externalität, die er den anderen auferlegt.
Gewinnt formal der Teilnehmer $i$, so zahlt er:
$$p_i = \sum_{j \neq i} v_j(\text{allocation without } i) - \sum_{j \neq i} v_j(\text{allocation with } i)$$Diese Zahlungsstruktur macht die Wahrheit zu einer dominanten Strategie, die eigene wahre Wertschätzung zu melden ist optimal, ganz gleich, was alle anderen tun. Frequenzauktionen, die in Dutzenden Ländern Funkfrequenzen im Wert von Hunderten Milliarden Dollar zugeteilt haben, sind praktische Nachfahren des VCG.
Jeder zahlt nicht nach dem, was er geboten hat, sondern nach den Kosten, die seine Teilnahme allen anderen auferlegt. Gewinnen Sie eine Auktion, zahlen Sie den Betrag, um den Ihr Sieg die Rente aller anderen verringert hat. Das beseitigt jeden Anreiz, über die eigene Wertschätzung zu lügen.
Matching-Märkte: wohin Preise nicht reichen. Manche Märkte können Preise gar nicht verwenden. Nieren darf man nicht legal verkaufen, Schulplätze nicht versteigern, Assistenzarztstellen nicht kaufen. Roths Antwort bestand darin, Algorithmen zu entwerfen, die stabile Zuordnungen hervorbringen, also Ergebnisse, bei denen kein Paar von Teilnehmern die eigene Zuordnung lieber auflösen und sich miteinander verbinden würde. Genau das leistet der Deferred-Acceptance-Algorithmus von Gale und Shapley, das Verfahren der aufgeschobenen Annahme. Er betreibt heute das National Resident Matching Program (über 40.000 Ärzte pro Jahr), die Ketten des Nierentauschs (Tausende Transplantationen) und die Systeme der Schulwahl in New York, Boston und Dutzenden weiteren Städten.
Die Grenzen: Myerson-Satterthwaite. Das Myerson-Satterthwaite-Theorem (1983) beweist, dass im bilateralen Handel mit privater Information kein Mechanismus zugleich Effizienz, Anreizkompatibilität, freiwillige Teilnahme und Budgetausgleich erreichen kann. Das Theorem begrenzt, was irgendeine Institution erreichen kann, wenn Information privat ist.
Das Marktdesign reicht auch dahin, bestehende Märkte vor der Vereinnahmung zu schützen. Der Aufstieg der digitalen Plattformen hat die Wettbewerbsökonomik wiederbelebt. Wenn Google, Amazon oder Apple zugleich den Marktplatz kontrollieren und auf ihm konkurrieren, versagen die Bedingungen des ersten Wohlfahrtssatzes über einen neuen Mechanismus: die Monopolmacht der Plattform, verbunden mit Informationsvorsprüngen, gegen die alles verblasst, was Akerlof sich vorstellte. Die Frage ist, ob das Mechanismusdesign wettbewerbliche digitale Märkte schaffen kann oder ob die Ökonomik der Plattformen das Monopol zum natürlichen Gleichgewicht macht. Lina Khans FTC war bisher der schärfste Test dieser Frage.
„Der gegenwärtige Rahmen des Wettbewerbsrechts, insbesondere seine Bindung des Wettbewerbs an die ‚Konsumentenwohlfahrt‘, definiert als kurzfristige Preiswirkungen, ist nicht dafür gerüstet, die Architektur der Marktmacht in der modernen Wirtschaft abzubilden.“
— Lina Khan, „Amazon’s Antitrust Paradox“, Yale Law Journal, 2017
„Sind die Big-Tech-Konzerne Monopole?“
Google hat 90 % der Suche. Apple und Google teilen sich den Vertrieb mobiler Apps als Duopol. Amazon ist zugleich der Marktplatz und sein größter Verkäufer. Lina Khans FTC hat argumentiert, diese Plattformen übten eine Monopolmacht aus, an die die alten Instrumente des Wettbewerbsrechts nicht heranreichen. Das Marktdesign fragt, ob wir Plattformen entwerfen können, auf denen Monopole gar nicht erst entstehen.
Können entworfene Mechanismen Märkte übertreffen?
„Wir betreiben ‚ökonomische Ingenieurskunst‘ und nutzen die Werkzeuge der Spieltheorie und des Mechanismusdesigns, um kaputte Märkte zu reparieren oder neue von Grund auf zu bauen. Der Nierentausch, die Frequenzauktionen, die Schulwahl, das sind Märkte, die funktionieren, weil sie zum Funktionieren entworfen wurden.“
— Alvin Roth, Who Gets What, and Why, 2015
Roths Laufbahn verkörpert den Übergang von der „Ökonomik als beobachtender Wissenschaft“ zur „Ökonomik als Ingenieurwissenschaft“. Das National Resident Matching Program, die Ketten des Nierentauschs und die Algorithmen der Schulwahl sind laufende Systeme, die Ressourcen für Millionen Menschen zuteilen. Allein der Nierentausch hat in den USA über 6.000 Transplantationen über Spenderketten ohne festen Empfänger ermöglicht, die ohne algorithmische Zuordnung unmöglich gewesen wären. Wenn Märkte versagen, kann man manchmal von Grund auf etwas Besseres bauen. Das gedankliche Instrumentarium, das Roth einsetzt, das Offenbarungsprinzip, die Anreizkompatibilität, die Grundlagen von Hurwicz, Maskin und Myerson, für die 2007 der Nobelpreis vergeben wurde, ist aus derselben Wende zur Informationsökonomik erwachsen. Seine Denklinie steht in Ideengeschichte, Kap. 11: Die Informationsökonomik und die spieltheoretische Revolution.
„Amazons gegenwärtige Geschäftspraktiken, der Wettbewerb mit den Händlern, die von seiner Plattform abhängen, und die Nutzung der Daten von Drittanbietern für die Entwicklung eigener Produkte, erinnern an die wettbewerbswidrigen Taktiken der Eisenbahnmonopole, gegen die das Wettbewerbsrecht ursprünglich geschaffen wurde.“
— Lina Khan, Yale Law Journal, 2017
Khans Argument hat das Wettbewerbsrecht für das Zeitalter der Plattformen neu gefasst. Der herkömmliche Test (die Verbraucherpreise) zeigt Amazon als verbraucherfreundlich: niedrige Preise, schnelle Lieferung, riesige Auswahl. Doch Khan hielt die Marktstruktur für die richtige Messgröße. Ist die Plattform zugleich der Wettbewerber und haben die Händler keine Alternative, kann die Plattform auf Wegen Wert abschöpfen, die in den Verbraucherpreisen nicht auftauchen und die Effizienz doch über geringeren Wettbewerb und weniger Innovation mindern. Der Aufsatz wurde zur gedanklichen Grundlage der Wettbewerbsagenda der FTC unter Biden und löste das größte Überdenken der Wettbewerbspolitik seit der Revolution der Chicago-Schule in den 1980er Jahren aus.
Das Urteil
Das Mechanismusdesign öffnet einen zweiten Weg zur effizienten Ressourcenverteilung. In bestimmten Situationen sind entworfene Institutionen nachweislich besser. Der Nierentausch rettet Leben. Frequenzauktionen teilen Werte von Hunderten Milliarden zu. Algorithmen der Schulwahl haben undurchsichtige, ungerechte Zuteilungsverfahren ersetzt. Doch das Mechanismusdesign funktioniert am besten in strukturierten Umgebungen mit klar bestimmten Gütern und Teilnehmern. In unübersichtlicheren Bereichen (Gesundheitssysteme, Regulierung digitaler Plattformen, Arbeitsmärkte) ist das Entwurfsproblem für elegante Lösungen zu komplex. Die Bahn führt von „Märkte sind effizient“ (Schritt 1) über „Märkte versagen“ (Schritte 2–3) zu „manchmal können wir bessere Institutionen bauen“ (Schritt 4).
Wo uns das hinführt
Wir haben mit einem Paradox von 4 Billionen Dollar in der Gesundheitsversorgung begonnen und mit einer Jugendlichen, die Davos sagte, der Planet brenne. Vier Schritte später stehen vier Schlüsse:
- Der Maßstab ist real und anspruchsvoll (Schritt 1). In einem Wettbewerbsmarkt ohne Verzerrungen ist die Gesamtrente im Gleichgewicht maximal. Die unsichtbare Hand koordiniert Millionen von Entscheidungen ohne zentrale Planung. Doch die Bedingungen (alle Kosten im Preis, gute Information auf beiden Seiten, viele konkurrierende Anbieter) versagen in den Märkten, auf die es am meisten ankommt. Die Gesundheitsversorgung, der Fall über 4 Billionen Dollar, verletzt jede einzelne.
- Das Versagen ist allgegenwärtig (Schritt 2). Externalitäten (Klima), öffentliche Güter (Grundlagenforschung), Allmendegüter (Fischgründe) und Informationsasymmetrie (Versicherung) beschreiben die Gesundheitsversorgung, die Bildung, die Finanzen, die Energie und die Umwelt. Allein der Klimawandel steht für Billionen an jährlichem unbepreistem Schaden.
- Die Theoreme sind genau und vernichtend (Schritt 3). Der erste Wohlfahrtssatz beweist die Effizienz unter Bedingungen, die nie gleichzeitig gelten. Greenwald-Stiglitz beweist, dass Wettbewerbsgleichgewichte bei unvollständigen Märkten und unvollkommener Information (also immer) beweisbar verbesserbar sind. Die Beweislast hat sich verschoben, Märkte sind ineffizient, solange man nicht zeigt, dass die bestimmten Bedingungen gelten.
- Manchmal können wir Besseres bauen (Schritt 4). Das Mechanismusdesign hat den Nierentausch, die Frequenzauktionen und die Algorithmen der Schulwahl hervorgebracht, die sowohl unregulierte Märkte als auch grobe staatliche Eingriffe übertreffen. Doch Unmöglichkeitstheoreme setzen harte Grenzen, und politische Zwänge setzen weichere.
Die Antwort auf „Verteilen Märkte Ressourcen effizient?“ lautet: ja, wenn die Bedingungen gelten, und diese Bedingungen versagen in den meisten Bereichen, auf die es für die menschliche Wohlfahrt am meisten ankommt. Märkte sind außerordentlich gut darin, dezentrale Entscheidungen für Rohstoffe, Konsumgüter und standardisierte Produkte zu koordinieren. Doch bei der Gesundheitsversorgung, beim Klima, bei der Bildung, bei digitalen Plattformen und bei der Allmende braucht die unsichtbare Hand sichtbare Hilfe. Zu verstehen, wann das so ist, und diese Hilfe gut zu entwerfen, ist das, worum es in der Ökonomik geht.